Mit new chapter zeigt Steffi Werner alias herartdesign ein Album, das sich zwischen Leichtigkeit und Tiefe bewegt – zwischen Dancefloor und innerer Entwicklung. Es geht um Freude, Befreiung und darum, sich selbst neu zu begegnen, ohne die eigene Geschichte auszublenden.
Es gibt Musik, die alles erklären will. Und es gibt Musik, die einfach einen Raum öffnet. new chapter gehört klar zur zweiten Kategorie. Die Tracks laden ein, sich zu bewegen – körperlich, aber auch innerlich. Denn nicht jede Form von Heilung ist leise. Manchmal beginnt sie genau dort, wo der Beat einsetzt.

Hinter herartdesign steht Steffi Werner: Künstlerin von Bild- und Klangwelten. Mit diesem Album erweitert sie ihr kreatives Spektrum um eine musikalische Ebene, die persönlicher kaum sein könnte. Es geht um Aufbruch, Weiblichkeit, Freude und Vergebung – aber ohne glatte Oberfläche. Der Sound kennt die Brüche, und genau daraus entsteht seine Kraft.
Was new chapter besonders macht, ist diese Bewegung im Sound selbst. Elektronische Energie ist der Ausgangspunkt, doch das Album bleibt nicht dort stehen. Es entwickelt sich weiter, wird wärmer, offener, soulful. Die Tracks fühlen sich an wie einzelne Schritte eines Prozesses: vom treibenden Impuls hin zu mehr emotionaler Tiefe. Es ist Musik, die nicht nur im Club funktioniert, sondern auch darüber hinaus.
Freude spielt dabei eine zentrale Rolle – aber nicht als einfache Botschaft. Eher als bewusste Entscheidung. Vielleicht sogar als Gegenentwurf. Denn diese Freude entsteht nicht durch Verdrängung, sondern gerade durch das, was davor liegt: Zweifel, Übergänge, Loslassen. Der Dance-Aspekt wirkt deshalb nie beliebig. Er ist Teil der Bewegung, nicht nur Oberfläche.
Ein wiederkehrendes Thema ist Vergebung. Nicht im moralischen Sinne, sondern als etwas, das entlastet. new chapter klingt nach dem Versuch, Dinge nicht länger festzuhalten, die eigentlich gehen dürfen. Der Beat wird dabei fast zu einem Werkzeug – er trägt, löst, bringt zurück in einen eigenen Rhythmus. Vergebung ist hier nichts Stilles, sondern etwas Körperliches, Spürbares.
Auch die Tracktitel erzählen diese Entwicklung weiter: new chapter, new horizons, sternenstaub, the woman i became, glitzerwelt, neuanfang, enter the stage, freedom tastes like sunlight. Das wirkt wie ein innerer Ablauf – von Aufbruch über Sichtbarkeit hin zu einer neuen Form von Leichtigkeit. Besonders the woman i became sticht heraus: ruhig, klar, ohne Pathos. Eher eine Anerkennung dessen, was entstanden ist.
Die verschiedenen Mix-Versionen greifen diese Vielschichtigkeit auf. loungmix glitzerwelt wirkt weicher, zurückgenommener, während die Clubmixe die Energie stärker nach außen tragen. Das Album bleibt in Bewegung, wechselt zwischen Nähe und Weite, zwischen Reflexion und Präsenz.
Ein schöner Gedanke steckt auch in freedom tastes like sunlight. Freiheit wird hier nicht erklärt, sondern fühlbar gemacht. Etwas Warmes, Helles, fast Greifbares. Genau darin liegt viel von dem, was das Album trägt: Es sucht nicht nach großen Worten, sondern nach Momenten, die sich echt anfühlen.
new chapter ist weder reines Dance-Album noch klassisches Soul-Projekt. Es bewegt sich dazwischen – elektronisch geprägt, aber emotional offen; rhythmisch, ohne flach zu werden. Steffi Werner entwickelt mit herartdesign einen Sound, der beides zulässt: Leichtigkeit und Tiefe.
Vielleicht liegt genau darin die Stärke dieses Albums. Dass Entwicklung nicht bedeutet, schwerer zu werden. Sondern manchmal einfach darin besteht, wieder tanzen zu können.


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